The New Cognition Project Die Zukunft des Denkens

November 20, 2012

Thinking with time

Filed under: — spaulsen @ 11:47 am

Zeitabhängiges Denken

Thinking with time/in time/just in time

Aspects of time in thinking are many and complex. We are thinking in time, we are thinking about time and very often, we have to think just in time. Thinking in our world is a networked process, which needs synchronisation, communication and understanding. The networked process of thinking is getting more and more global. Scientists and companies are building a global intelligence, which is more and more powerful.  Political, economical and social decisions are often communicated without alternatives. What about critical thinking and creativity in a time limited, networked thinking process?  What about the influence of time-pressure on skills of critical and creative thinking? Advantages and disadvantages of this development could be discussed.

Zeitaspekte des Denkens spielten in der Vergangenheit nur selten eine Rolle. Allerdings wurden in der Geschichte der Wissenschaft manchmal Durchbrüche erreicht, wenn mehrere Wissenschaftler gleichzeitig an ähnlichen Problemen gearbeitet haben.

Das erfolgreichste Projekt einer exakt koordinierten Forschungsanstrengung unter Konkurrenzbedingungen war vielleicht der so genannte Wettlauf zum Mond. Das richtige Timing ist also von erheblicher Bedeutung für den wissenschaftlichen Erfolg. Denken wir an die Entwicklung leistungsfähiger Flugzeuge oder aktuell an die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Ein entscheidender Faktor für wissenschaftlichen Erfolg ist häufig Konkurrenz und Zeitdruck, der aus der Konkurrenz resultiert. Zur richtigen Zeit den richtigen Gedanken zu haben, spielt aber nicht nur in der Wissenschaft eine Rolle, sondern kann auch im Umgang mit der modernen Technik lebensrettend sein, wie positive und negative Beispiele von Notfällen in der Luftfahrt oder auch in der Medizin zeigen. Wie schafft man es, rational, zielgerichtet und just in time den richtigen Gedanken zu einem Problem zu finden? Es gibt derzeit keine Denkschule, die eine solche Fähigkeit vermittelt. Die Arbeit von Denknetzwerken spielt aber ein immer größere Rolle.

Treiber von zeitlichen Synchronisationsprozessen sind die Ökonmie, Naturwissenschaften, aber auch politische Zusammenschlüsse, die eine gemeinsame Zeit über Ländergrenzen hinweg benötigen. Dies alles mag dazu führen, dass bei allen menschlichen Aktivitäten seien sie wirtschaftlich oder wissenschaftlich oder politisch motiviert, die Zeit als bestimmender Faktor einen Absolutheitswert bekommt.

Die Frage ist nur, wird die Zeit auch zu einem bestimmenden Taktgeber für Denkprozesse? Werden Fragen in Zukunft deshalb nicht durchdacht, weil sie zu viel Zeit beanspruchen? Könnten philosophische Fragestellungen, wie sie beispielsweise aus der Bioethik resultieren, zukünftig deshalb nicht mehr von einzelnen Denkern bearbeitet werden, weil die Kürze der hierfür verfügbaren Zeit koordinierte Netzwerkarbeit von “Denkfabriken” erforderlich macht? Welche Auswirkungen hat das auf die Denkergebnisse? Welche Denkergebnisse kommen dabei für uns Individuen heraus, wenn Philosophie gewissermaßen arbeitsteilig bearbeitet wird und mit Deadlines versehen ist, die den zeitlichen Endpunkt des koordinierten Denkprozesses bestimmen? Niklas Luhmann hat sein soziologisches Modell über zwanzig Jahre zielgerichtet entwickelt. Kant hat sein ganzes Leben der Philosophie der Aufklärung gewidmet und ist dabei aus Königsberg nicht herausgekommen. Heute laufen viele Denkprojekte über zwei bis drei Jahre in koordinierten und finanziell geförderten Netzwerken ab. Wie zukunftsweisend ist eine solche Abkürzung von Denkprozessen eigentlich?

Werden dann bei ethischen Fragestellungen, die Eigenschaften und Bedürfnisse von Individuen überhaupt noch ausreichend gewürdigt? Reproduziert dann unser Denken nicht zunehmend unkritisch die moderne Zeit-Ratio, die als Ressource betrachtet, möglichst intensiv ausgebeutet werden muss? Eine eindimensionale Weiterentwicklung der industriellen Zeit?

Wohin hat sich unser denkerische Umgang mit der Zeit am Ende des Jahrhunderts entwickelt und wohin entwickelt sich unser Umgang mit der Zeit, die wir für das Denken zu Verfügung stellen?

 

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